{"id":879,"date":"2022-05-27T13:17:00","date_gmt":"2022-05-27T13:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/proschlieren.ch\/?p=879"},"modified":"2022-07-20T11:19:16","modified_gmt":"2022-07-20T11:19:16","slug":"am-baeckereien-sterben-sind-die-baecker-selber-schuld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/2022\/05\/27\/am-baeckereien-sterben-sind-die-baecker-selber-schuld\/","title":{"rendered":"\u00abAm B\u00e4ckereien-Sterben sind die B\u00e4cker selber schuld!\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Er hat sein Gipfeliimperium verloren und mit 60 Jahren nochmals neu angefangen. \u00dcber seine Nachfolge macht sich der 75-j\u00e4hrige Fredy Hiestand keine Gedanken. Er will noch \u00fcber 25 Jahre leben. F\u00fcr B\u00e4ckereien, die in Konkurs gehen, zeigt er kein Bedauern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Brot seiner Jugend gab es nur an Wochenenden im Winter. Seine Eltern backten es im Holzofen des Z\u00fcrcher Oberl\u00e4nder Dorfes Hittnau. Es enthielt viele Kartoffeln und war lange haltbar. Buttergipfel kannte Gipfelik\u00f6nig Fredy Hiestand in seiner Kindheit auf dem Bauernhof nicht. Diejenigen, die er sp\u00e4ter in seiner B\u00e4ckerlehre kennenlernte, seien bereits am Mittag trocken gewesen, erz\u00e4hlt Hiestand, als er BLICK in seinem Haus&nbsp;in Geroldswil ZH&nbsp;empf\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon mit seiner ersten B\u00e4ckerei, als 24-J\u00e4hriger, wollte er bessere Gipfeli herstellen und bald auch produktiver sein als andere. Der heute 75-J\u00e4hrige berichtet, wie er die ersten Gipfeli mit richtiger Butter \u2013 und nicht mit Margarine wie damals die Pariser Croissants \u2013 zum Erfolg brachte. Wie er in Gipfelimaschinen investierte und ihm als erster B\u00e4cker hierzulande die Massenproduktion gelang.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gespr\u00e4ch bellt Hiestands einj\u00e4hriger Beagle Fendi, t\u00e4nzelt um seinen Herrn herum, will neben ihm Platz nehmen \u2013 und vor allem hat er es auf die Gipfeli von Fredy&#8217;s abgesehen. Mit dem B\u00e4ckereiunternehmen \u00abFredy\u2019s\u00bb mit Sitz in Baden AG hat Hiestand sich 2003 nochmals neu erfunden. Der Patron steht dem Jungtier an Lebendigkeit in nichts nach. \u00abIch habe beschlossen, 102 Jahre alt zu werden\u00bb, sagt er mit einem zufriedenen Lachen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pestizidfrei angebaute Gipfeli werden nicht teurer<\/strong><br>F\u00fcr sein n\u00e4chstes Projekt ist er Feuer und Flamme. \u00abF\u00fcr die n\u00e4chste Ernte bauen wir nur noch Getreide ohne Pestizide an\u00bb, erkl\u00e4rt er. Es sei sehr aufwendig und kostspielig, alle Lieferanten umzustellen. \u00abAber die Gipfeli werden kaum teurer\u00bb, betont er.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Den B\u00f6rsengang seiner Firma Hiestand auf dem H\u00f6hepunkt seines Gipfelimperiums 1997 sieht er heute als Fehler. \u00abIch weiss nicht mehr, wieso ich mich davon \u00fcberzeugen liess\u00bb, sagt er mit Bedauern. Er sei damals im Verwaltungsrat zwar noch als Patron erw\u00fcnscht gewesen, aber Einfluss auf sein Lebenswerk konnte er nicht mehr aus\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Management sagte ihm ausserdem, dass es sich f\u00fcr einen CEO nicht geh\u00f6re, in die Produktionshallen zu gehen. Im Jahr 2002 verliess er die Grossb\u00e4ckerei unfreiwillig. Er musste f\u00fcr einmal hartes Brot essen. Und das, nachdem er \u00fcber die Jahre immer wieder als Pionier gefeiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Immer noch ein \u00abSchreck\u00bb der anderen B\u00e4cker<\/strong><br>Allerdings galt Hiestand fr\u00fcher mit seinen B\u00e4ckereimaschinen und auch der Erfindung der vorgegarten Teiglinge als \u00abSchrecken\u00bb der B\u00e4cker. Noch heute zeigt er mit der Branche wenig Mitleid: \u00abAm B\u00e4ckereiensterben sind die B\u00e4cker selber schuld!\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Der Traditionsbeck Keller aus Regensdorf ZH, der diesen Sommer in Konkurs ging, war f\u00fcr ihn eine B\u00e4ckerei, die sich zu wenig positioniert hat. \u00abSolche B\u00e4ckereien haben heute keine Daseinsberechtigung mehr\u00bb, findet er. Sagts und schneidet durch eines seiner neuen Produkte. Ein glutenfreier, luftig-feuchter Schoggimuffin, dem Fendi innert K\u00fcrze nachstellt. Hiestand gibt dem Hund einen Bissen. Rechnet er mit einem anhaltenden B\u00e4ckereiensterben? Angesichts der Expansion der grossen B\u00e4ckereienplayer meint er: \u00abEs gibt bald gar nichts mehr zu konsolidieren.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Involviert in seine neusten Projekte ist seine dritte Frau Tina (54). Sie arbeitete bei Hiestand, als sie sich kennenlernten \u2013 und hat sein Ausscheiden aus seiner Firma aus der N\u00e4he miterlebt. Heute leitet sie die B\u00e4ckerei Fredy d\u00e4 Beck beim Bahnhof Schlieren. Die Filiale dient auch als Testladen. \u00abTina weiss als Erste, wie unsere Produkte bei den Kunden ankommen\u00bb, sagt Fredy Hiestand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verlust des \u00abBabys\u00bb war schwierig<\/strong><br>Die Backwaren von Fredy\u2019s gehen in erster Linie an Hotels und die Gastronomie, aber auch nahezu alle Schweizer Detailh\u00e4ndler geh\u00f6ren zu den Abnehmern. Fredy\u2019s Backwaren unterscheiden sich von anderen in einer weniger industriellen Produktion, sie enthalten hochwertige Weizenkeime und kommen offenbar gut an. Die Firma mit inzwischen 140 Mitarbeitern beliefert auch seine fr\u00fchere Firma, die mit der irischen Firma IAWS in Aryzta aufging.<\/p>\n\n\n\n<p>Aryzta ist heute ein Trauerspiel, unter dem letzten Management \u00fcber \u00dcbernahmen in aller Welt gewachsen, st\u00e4ndig in Kapitalnot. Der Pionierb\u00e4cker hat den Verlust seines \u00abBabys\u00bb schlecht verdauen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch hat er sich wieder aufgerafft, ist wieder aufgestiegen. Die heutige Firma w\u00e4chst mit rund f\u00fcnf Prozent pro Jahr bescheidener. Wichtig ist ihm, dass seine Produkte den Kunden schmecken und bek\u00f6mmlich sind, und er genau weiss, woher die Rohstoffe kommen. Gespritzte Pflanzen, die das Wasser verschmutzen und die Biodiversit\u00e4t zerst\u00f6ren, sind ihm ein Gr\u00e4uel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schoggi aus eigener Plantage<\/strong><br>Der einstige Bauernbub arbeitet stundenlang im Garten, pflanzt saisonales Gem\u00fcse an. Seit vier Jahren betreibt er in der Elfenbeink\u00fcste ein biologisches Aufforstprojekt auf 100 Hektaren. Von seinem j\u00fcngsten Stolz hat er viele Fotos \u2013 von Kakao-, Cashew-, Palm\u00f6lpflanzen und Moringab\u00e4umen. Sein Ziel ist es, dass die Schokolade in seinen Schoggigipfeln dereinst von seinen eigenen Kakaob\u00e4umen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da er \u00fcber 100-j\u00e4hrig werden will, verliert er keinen Kopf \u00fcber seine Nachfolge. Es sehe nicht danach aus, dass eines seiner drei Kinder in seine Fussstapfen treten werde. Er m\u00f6chte noch m\u00f6glichst lange an seinem Unternehmen festhalten, sagt Hiestand, und zitiert Nicolas Hayek (1928\u20132010): \u00abEin kreativer Kopf muss niemals aufh\u00f6ren zu arbeiten.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><em>Text und Bild: Blick.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er hat sein Gipfeliimperium verloren und mit 60 Jahren nochmals neu angefangen. \u00dcber seine Nachfolge macht sich der 75-j\u00e4hrige Fredy Hiestand keine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":880,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-879","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/879","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=879"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":881,"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions\/881"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/880"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/proschlieren.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}